#1

Erholung und Lernen - Ob beide funktionieren werden?

in Vor dem Virus... 04.09.2011 11:39
von Józefin • Besucher | 94 Beiträge

Józefin
Ungefähr zwei Jahre vor dem Virus waren Sonya und Józefin zusammen in einem SprachCamp. Sie kannten sich von früher, aber nicht alle Erinnerungen und Eindrücke von damals waren sehr positiv.
In diesem Camp jedoch, in dem sie Französisch lernen sollten, haben sie sich besser kennengelernt. Sie waren die zwei für die Leitung schlimmsten Schüler, obwohl ihre Sprachkenntnisse sehr gut gewesen sind. Sie landeten beide in der besten Gruppe...

Sonya
Wütend feuerte Sonya ihre Tasche in eine Ecke des Blockhauses. Ein Blockhaus, konnte es noch schlimmer kommen? Eigentlich hatte sie vorgehabt ihre beste Freundin Kerstin bei deren Urlaub in Miami zu begleiten. Kerstins Eltern hatten schon zugestimmt und auch ihr Vater war eigentlich dafür gewesen. Doch dann hatte sie ein wenig Mist gebaut und nun hing sie hier. Tolle Strafe.
Nicht das sie etwas dagegen hatte französisch zu lernen. Aber hatte es unbedingt jetzt sein müssen, wann mochte sich eine solche Gelegenheit noch einmal ergeben. Und dann dieses Lager, alles total einfach. Selbst das Wasser zum Waschen musste aus einem Brunnen oder dem Fluss geholt werden. In Frankreich die Sprache zu lernen, hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt, mit ein paar mehr Franzosen zum Beispiel. Doch sie kam sich eher vor, wie in einem amerikanische Sommercamp, wo die Eltern ihre KInder abschoben um selbst im Sommer ungestört zu sein. Abgeschoben fühlte sie selbst sich auch. Aber immerhin war es angenehmer, als zuhause die ganze Zeit allein zu sein. Weil ihr Vater sich in seine Arbeit vergrub.
Wenn sie nicht die Sprache für ihr Studium später gebrauchen könnte, würde sie alles daran setzen vorzeitig nach Hause verfrachtet zu werden. Sie war noch dabei widerwillig ihre Klamotten in den Spind zu packen, als schon wieder diese nervige Glocke ertönte und alle Teilnehmer zusammenrief. Das ging ihr jetzt schon auf die Nerven. Die Mädchen, mit denen sie die Hütte teilte waren nur am Kichern und anscheinend nur an Jungs interessiert, alles in allem hervorragende Vorraussetzungen für den furchtbarsten Urlaub ihres Lebens. Sie ließ den Rest der Sachen stehen und folgte den anderen nach draußen. Zur Freude der anderen Mädchen, waren nun wohl auch die männlichen Teilnehmer angekommen. Die armen Kerle waren gleich zu Beginn dazu abkommandiert worden, den Leitern bei dem Verladen der Lebensmittel und sonstigen Waren zu helfen. Sonya fühlte sich, als wäre sie in einem Hühnerstall gefangen. Es gackerte links und rechts von ihr. Fast war sie versucht ein paar Körner in die Runde zu werfen.
Dann folgte die übliche Ansprache, bezüglich der Regeln und Pläne des Camps. Ein wenig erstaunt folgte sie der Einweisung. Scheinbar sollte es von Morgens, bis zum Nachmittag nur Unterricht geben. Aber keine praktischen Übungen zur Anwendung, was für eien Zeitverschwendung. Grammatik und Vokabeln konnte sie auch alleine lernen, dafür brauchte sie keine besondere Unterstützung. Anders als behauptet, erschien ihr das Camp eher geeignet für Schüler, die ansonsten Probleme mit der Sprache hatten, als für einfache Neuanfänger, wie sie. Obwohl alle Teilnehmer aus der Umgebung von München kamen, war bei den Mädchen keines dabei, dass sie kannte. Sie durchforstete die Gruppe der Jungen, um zu sehen, ob sie dort mehr Glück hatte. Es wäre doch recht angenehm gewesen, wenigstens dort ein bekanntes Gesicht zu finden.
Sonya seufzte leise auf, zu früh gefreut. Da sah sie doch jemanden, den sie kannte, doch es war weniger angenehm, als sie erwartet hatte. Dieser Typ mit dem unaussprechlichen Namen, von dem Projet im Winter. Sie waren ein wenig aneinander geraten, weil er weniger von Zoohaltung hielt als sie selbst. Aber anstatt ihr entweder ihre Meinung zu lassen, oder mal richtig auf den Outz zu hauen, hatte er ständig versucht, über ihre verschiedenen Ansichten zu diskutieren. Das war ihr damals ziemlich gegen den Strich gegangen. Allerdings war sie zu dem Zeitpunkt auch nicht besonders gut drauf gewesen. Wie meistens um den Todestag ihrer Mutter herum, intellektueller Austausch war da einfach nicht drin gewesen. Aber was sie am meisten aufgeregt hatte, war, dass der Typ sich nicht einmal aufgeregt hatte. Vollkommen unverständlicherweise war er immer ruhig geblieben, sachlich und fast kühl war er ihr vorgekommen. Etwas das ihrem eigenen Wesen doch sehr zuwiderlief. Das konnte ja was werden...

Józefin
Józefin fragte sich, ob es sein musste? Erstmal zur Begrüßung im Camp wurden alle Jungen zur Hilfe beim Tragen der Lebensmittel und sonstigen, so sehr gebrauchten, Sachen. Hoffentlich waren zumindest die Schüler hier nette Menschen. Die ganze Zeit jedoch, entgegen seiner Hoffnung, hat eine Gruppe von Jungs, die sich anscheinend von früher kannten, dumme und, ehrlich gesagt, einfach nur vulgäre Witze erzählt. Auf jeden folgte ein Lachen von dem ganzen Rest. Wenn man Józefin natürlich nicht mitzählt.
"Na, wieso schweigst du denn, Homo?", fragte ihn einer laut. Ein Lehrer hatte nur eine Miene aufgesetzt, die wahrscheinlich Desaprobade ausdrücken soll. Der Betroffene sagte jedoch ruhig, mit bayerischem Akzent, sich auf ein früheres Witz beziehend:
"Weil ich kein Deutsch kann, Vinnie."So verwendete Pointe gab seinem Gegenüber schlechte Karten. Er sah Jose einfach nur stumm an. Die Jungs, sogar aus der Gruppe von Vincent, konnten den Lachen nicht verkneifen.
Gleich nachdem sie fertig geworden waren, ertönte die Glocke. Es war ein Zeichen für alle Teilnehmer, dass es Zeit dafür war, sich zu versammeln. Die Jungen hatten noch keine Zeit, ihre Sachen auszupacken. Er hatte hier keine Bekannten, auch hat er noch kein bekanntes Gesicht gesehen. Er musterte die Mädchengruppe. Auch dort nicht... Doch. Da war das Mädchen, das mit ihm letztes Jahr beim Filmprojekt unbedingt sich streiten wollte. Sie wehrte sich gegen seine Ansicht der Zoohaltung und hat sich tierisch aufgeregt, als er ruhig blieb. Wie hieß sie nochmal?
Sarah? Er senkte sein Blick nachdenklich zum Boden. Sofia? Sina? Ach ja, Sonya war das. Er guckte sie erneut an. Ihre Blicke trafen sich.

Sonya
Sonya lehnte sich kurz zurück und schloß sie Augen, war das Gelaber langweilig. Es war das übliche, kein Alkohol und kein herumwandern allein und so weiter und so fort. Sie seufzte genervt auf und sah sich wieder um. Sie schaute sich die anderen Teilnehmer an und versuchte sich zu jedem etwas vorzustellen, sei es ein möglicher Name oder eine peinliche Angewohnheit oder etwas ähnliches. Sie war gerade bei einem blonden Typen, vielleicht ein Dirk, angelangt, dem sie eine geheime Beziehung zu einem Esel andichtete, als sie wieder zu Józefin sah. Er hatte sie wohl auch gerade angesehen. Sie grinste, denn er sah irgendwie so genervt aus, wie sie sich fühlte. Sie nickte ihm kurz zu und lächelte, immerhin war er nicht so dumm, wie die anderen Weiber hier. Sie bekam am Rand das Geflüster der Hühner mit. Scheinbar gefiel einigen der Dirktyp. Furchtbarer Geschmack, man konnte direkt sehen, wie selbstgefällig der Typ aussah. Sie mochte so etwas nicht. Nun endlich war die Ansprache vorbei und sie hatten wohl etwas Zeit übrig. Da sie mit dem Hühnerstall so wenig wie möglich zutun haben wollte, entfernte sich Sonya von ihnen.
Sie schlenderte zu Jó hinüber und sah ihn grinsend an. "Und was hast du angestellt, um hier zu landen?" Sie lachte leise. "Und wie sind die anderen hier so, auch so viele Vollidioten hier, wie im Hühnerstall drüben?" Sie senkte die Stimme gerade so weit, dass sie nicht von jedem gehört werden konnte. Dann ließ sie sich neben ihm auf dem Boden nieder und stützte sich mit den Armen hinten ab. "Ich hatte eigentlich erwartet, mit Franzosen ihre Sprache zu lernen und nicht einfach nur in Frankreich. Ich mein ist ja ganz nett hier, aber einfach nur so lernen könnte ich auch in Miami, da sollte ich eigentlich gerade sein." Sie seufzte.
Józefin
Sonya ging zu ihm herüber, nachdem die ansprache beendet worden war. Eindeutig war sie nicht zufrieden, hier zu sein. Die anderen Mädchen haben sie auch genervt. Er erwiderte ihr Grinsen und sagte:
"Tja, ich habe mich für den Spaß freiwillig gemeldet. Und was die anderen angeht...", er senkte die Stimme, "Ja, es sind Vollidioten, finde ich. Manche vielleicht nicht so extrem, aber guck mal da.", er zeigte mit dem Kopf auf den blonden Vincent, "Der ist wirklich... cool, um es so auszudrücken. Und er zieht alle mit."
Sie setzte sich neben ihm auf den Boden, genau das tat er auch.
"Das hätte ich auch erwartet. Ich will hier nicht sinnlos rumsitzen und irgendwelche Theorie hören. Man könnte doch mal richtig lernen zu sprechen.", er lächelte und fragte: "Und was hast du angestellt, Sonya?"

Sonya
Sie folgte seinem Blick und musste grinsen. "Oh das ist Dirk, der steht auf Esel, jedenfalls sieht er so aus. ich habe mir schon zu jedem was überlegt, siehst du die kleine Blonde da? Redet die ganze Zeit nur über Jungs und was man da so anstellen kann, aber ich wette mit dir um fünf Euro, das sie auf ihre dunkelhaarige Freundin steht und nur davon ablenken will." Sie lachte und deutete auf einige Mädchen direkt in der Mitte des Hühnerstalls. Sie grinste. "Man könnte hier viel besser die Rudelbildung unter höheren Säugetieren untersuchen, als französisch zu lernen. Naja zur Not bekomme ich das auch so hin, ist ja nicht so, dass ich nichts lernen will." Einen Augenblick lang sah sie ihn ernster an, einerseits hatte sie selbst davon angefangen, aber sie war sich nicht sicher, ob sie ihm wirklich erzählen wollte, wieso sie hier war. Er hätte wohl kaum Verständnis für sie, blieb er selbst doch immer ruhig. Sie seufzte leise und fuhr dann mit leiser Stimme fort. "Naja ich habe den falschen Weg gesucht, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Seite meine Mutter gestorben ist, kümmert sich mein Vater nur um seine Arbeit. Ich schätze ich wollte ihn irgendwie zwingen zu bemerken, dass ich noch da bin. Dabei war es mir egal, wie das ging." Sie lachte kalt. "Und wie wir sehen, hat das ganz wundervoll geklappt, mein Vater hat mich sofort für den ganzen Sommer abgschoben. War echt ne großartige Idee von mir." Dann grinste sie wieder und versuchte von dem, ihr unangenehmen, Thema abzulenken.
"Und was meinst du, müssen wir uns gegen Ende mit so einer dämlichen Campolympiade rumschlagen, wie in diesen typischen, amerikanischen Sommercamps?" Sie kicherte und hoffte gleichzeitig, das sie unrecht hatte.

Józefin
"Dirk?", fragte Józefin erstaunt und grinste, "Wie kommst du auf diesen Namen?"
Mädchen und Jungs vermischten sich effektiv. Man sah, wie manche eine Freundin mit zur Unterstützung beim Gespräch mit Jungs mitbrachten. "Ja, Rudel, das trifft es. Aber es ist interessant, oder? Es sieht so aus, als ob manche nur dafür da wären, um einen zukünftigen Freund oder Freundin kennenzulernen."
Sie sah ihn ernst an, ohne etwas zu sagen. Dann beantwortete sie seine Frage nach der Ursache für ihre Anwesenheit. "Ich sehe, dass du nicht wirklich darüber sprechen willst.", lachte er leise. "Campolympiade wäre eigentlich mal interessant.", sagte er mit spürbarer Ironie, die Wörter verziehend. "Aber langweilig. Warst du schon mal bei so einem Sommercamp in Amerika?", fragte er mit einem Lächeln.
Ein Mädchen mit schwarzen, glatten Haaren kam auf die beiden zu und sprach ihn direkt an: "Hi, ich bin Jennifer."
"Józefin.", sagte er, "Manchmal nennen mich welche auch Jose. Schönes Kleid."
"Danke.", grinste sie, "Hast du Lust, heute Nacht zu uns zu kommen?", fragte sie mit Hoffnung.
"Mal sehen. Frag noch andere Jungs, vielleicht haben sie Lust dazu."
"Ok, wir sehen uns.", sagte sie und ging direkt zu anderen Mädchen. Józefin guckte ihr hinterher und sagte zu Sonya: "Typisch. Jetzt schildert sie mit etwas Kreativität, was ich gesagt habe, und dann lachen sie alle. Ich komme natürlich nicht zu ihr. Wie alt ist die eigentlich?"

Sonya
Sonya lachte und zwinkerte Jó zu. "Ganz einfach, wirklich jeder Dirk, den ich bisher getroffen habe, war ein Volldepp. Keine Ausnahme muss am Namen liegen." Sie beugte sich etwas nach vorne und legte den Kopf schief, dazu verzog sie die Nase, als sie sich vorstellte in einem Sommercamp, Marke Amerika gefangen zu sein, grausige Idee. "Gott bewahre, naja ich würde gerne mal nach Amerika, aber da eher als Tourist. Also um Orte zu sehen und nur zweitrangig, um die Bevölkerung zu treffen. New Orleans wäre schön gewesen, naja vor Catrina, mein ich. Eine der wenigen Städte, die Geschichte hatte." Sonya verdrehte sie Augen, als das Mädchen herkam. Unter Mädchen war es ein ziemlich aggressives Verhalten, immerhin sprach sie gerade mit Jose, worüber hatte das Ding ja nicht wissen können. Sie lachte leise. "Och vielleicht solltest du hingehen, könnte spassig werden. Die Mädels hier sind wohl recht offen für alles mögliche, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Ich wette da kannst du noch was lernen." Sie kicherte. "Nun soweit ich weiß dürften die alle ungefähr so alt sein, wie wir. Also 15-16. Bei ihr tippe ich auf 15, und nicht gerade schüchtern, dazu recht von sich eingenommen, sonst wäre sie nicht hergekommen. Immerhin laufe ich, da ich ja auch weiblich bin, als Konkurrenz. Naja niedlich ist sie ja. Aber du scheinst hier ja große Chancen zu haben." Sie beobachtete, wie das Mädchen zurück zu ihren Freundinnen ging und musterte sie bei ihrer Erzählung neugierig. "Nun sie meint das du auf jeden Fall vorbeikommst und das das Mauerblümchen, das bin dann wohl ich, keine Chancen bei dir hat. Und du hast gesagt das sie das schönste Mädchen im Camp ist. Interessant, immerhin ist sie kreativ. Ich hätte mich wohl mehr aufstylen sollen, also Mauerblümchen trifft mich irgendwie. Ich hätte wissen müssen, dass man auch im Wald geschminkt und mit Mini rumläuft." Sonya konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, war ja wohl kaum ihre Schuld, dass sie nicht gerne so billig herumlief. Dafür stakte sie aber auch nicht so dämlich herum, wie die Mädels in ihren hochhackigen Schuhen. "Naja ich sollte meinen Kram weiter auspacken, wir sehen uns ja sicher nachher noch. Außerdem entspreche ich so weiter Jennifers Story." Sie kam aus dem Lachen kaum noch heraus. Wenigstens konnte sie hier ihren Spaß haben und sei es auf Kosten anderer.

Józefin
"Sie sieht ja nicht so alt aus.", lächelte Józefin, "Zumindest siehst du nicht so billig, wie sie, aus.", sagte er.
Als sie dann sagte, dass sie weiter auspacken sollte, lachte Jose. "Na, da hattest du ja noch Glück, dass du die Zeit mit Auspacken verbringen konntest. Bis dann!"

Er warf seine Tasche einfach unter das Bett. Seine Zimmergenossen stellten sich vor - Lukas, Sascha, Kenny und Fred hießen sie. Die vier Jungs saßen am kleinen Tisch und spielten Karten. Józefin schlug ihnen vor, Sheep's Head, oder auch Schafkopf zu spielen. Verwundert fragten sie nach den Regeln. Bis zum Glockenlaut, das das Abendessen verkündigte, versuchte er, ihnen diese zu erklären und sie fingen langsam an zu verstehen.
"Nun, wir können dann auch nach dem Abendessen spielen, wenn ihr mögt.", sagte er.

Sonya
Sie kehrte in die Hütte zurück, die sie glücklicherweise nicht mit dieser Jennifer teilen musste. Denn Sonya wusste, dass das nur unnötig viel Ärger verursacht hätte. Dafür war sie anscheinend im Dirk-Fanclub gelandet, sie erfuhr, das der Typ in Wirklichkeit Vinnie hieß. Außerdem war er wohl Kapitän eines Fußballclubs und wenigstens nach der Meinung der anderen total toll. Dann lauschte sie noch etwas den Erzählungen der anderen Mädchen und lachte an den richtigen Stellen, um sie nicht vor den Kopf zu stoßen. Aber alles was sie zu hören bekam machte ihr nur sehr deutlich, dass sie von diesem Typen, nicht mehr wissen wollte. Gerade spekulierten die anderen darüber, auf welchen Typ Mädchen Vinnie wohl stand, doch schon das war mehr, als sie jemals über den Typen wissen wollte. Sie grinste nur darauf und packte den Rest ihrer Sachen aus. Sie nutzte die Zeit bis zum Abendessen und warf schonmal einen Blick in die Bücher. Doch das wurde schnell langweilig und so ging sie nach draußen und sah sich etwas im Lager um. Als die Glocke läutete war sie bereits am Versorgungszelt und ging daher direkt hinein. Sie griff sich ein Tablett und nahm sich etwas zu Essen. Das Abendbrot sah garnicht so schlimm aus, es gab zwar nur Brot, Salat und ein wenig Obst, aber wenigstens war alles frisch. Sie goss sich einen Saft ein, den sie nicht direkt zuordnen konnte und setzte sich an einen Tisch. Kurze Zeit später kamen auch die übrigen Kursteilnehmer herein und beim Essen nahm sich Sonya etwas ZEit, um alle zu beobachten.

Józefin
Er kam mit anderen Jungs am Versorgungszelt an. Ihre üblichen Gespräche fingen wieder an. Józefin fragte sich, wie man es aushalten kann, immer nur über ein, zwei, maximal drei Dinge zu sprechen. Er holte sich etwas Essen. Saft, den er ausprobierte, gab es auch dazu. Er musste sich an alle Dinge, womit er diesen Geschmack verband, erinnern. Das erste Mal im Kindergarten. Geburtstagsparty von Hanna und Hannes, Zwillingen. Die Gespräche mit seinem Vater.
Kaktus. Es war der Kaktusgeschmack.
Er sah, dass Sonya bereits an einem Tisch saß und kam mit dem Tablet zu ihr: "Darf ich mich setzen?", fragte er auf ein Platz neben ihr zeigend. Er fügte sehr leise hinzu: "Du bist hier eine normale Person." Er lächelte breit.

Sonya
Sonya sah auf und der gerade eben noch genervt wirkende Gesichtsausdruck wich einem Lächeln. "Klar setz dich." Doch dann sah sie ihn skeptisch an. "Ich bin normal? Ich bitte dich, ich bin sicherlich nicht normal, wer ist das denn schon? Normal kann doch jeder, ich bin was besonderes.", sie antwortete genauso leise, wie er gesprochen hatte streckte ihm kurz die Zunge raus und beendete ihren Satz mit einem leisen Kichern. Sie verstand ja, wie er das gemeint hatte, doch wenn man die Leute hier im Lager fragte, wären diese sicher davon überzeugt gewesen, normal zu sein. Sie beugte sich zu ihm herüber und lächelte. "Und wie geht es Jennifer? Sie sieht herüber, aber besonders glücklich scheint sie nicht zu sein. Vielleicht hättest du dich zu ihr setzen sollen. Aber ich begrüße die Gelegenheit, mal über etwas anderes zu reden, als Klamotten und Kerle." Sie seufzte und verdrehte die Augen zur Decke, als wenn es keine interessanteren Gesprächsthemen gab. "Und, was hast du so seit unserem letzten Treffen getrieben?" Im Grunde genommen war sie froh wenigstens einen vernünftigen Gesprächspartner zu haben. Wenn er sich nun wenigstens ab und an mal etwas auf die Palme bringen lassen würde, wäre das perfekt.

Józefin
"Normal ist eben ein Begriff, der für jeden etwas anderes bedeutet.", sagte Józefin mit einem Lächeln, "Und ich bin eben an besondere Menschen gewöhnt."
Er sah dann zu Jennifer. "Da muss ich gleich nachdenken, ob ich nicht doch zu ihr gehe, wenn sie so guckt. Manchmal bin ich zu gutherzig, glaube ich. Ich kann nicht zusehen, wie Leute leiden, wenn ich es verhindern kann." Er hoffte, dass Sonya verstehen würde, was er damit meinte. "Ich will die Nacht nicht damit verbringen, mit ihr irgendwas zu machen und über irgendwelche Sachen zu reden. Es ist nur...", er unterbrach, "Ich weiß nicht, wie ich das sagen kann."
Er beantwortete ihre Frage und sagte:
"Ich habe Karten gespielt. Kennst du Sheep's Head? Es wird auch 'Schafkopf' genannt. Und du? Was hast du so gemacht? Mit wem teilst du denn deine Hütte?"

Sonya
Sie musste einfach lächeln, bei einem so netten Kompliment. Doch dann war sie erstaunt. "Nun dann hättest du ihr vielleicht direkt sagen sollen, das du nicht herüberkommst. Denkst du nicht, das wäre dann die bessere Alternative gewesen. Denn ich bin ganz ehrlich, allen was du jetzt machst, so nett es auch ist, wird eine Enttäuschung für das Mädel sein. Weil sie sich ja schon Hoffnungen gemacht hat. Und manchmal muss man eine Konfrontation annehmen, damit man weniger Leid verursacht. Nun die meisten Leute sagen einfach, tut mir leid ich hab was anderes vor. Naja ich teile mir ein Zelt mit den Mädels da vorne, sie sind Vinniefans. Ich durfte mir gerade eine Stunde lang anhören, wie toll er ist. Fußballkapitän und blablabla. Total langweilig. Ich weiß nicht, ob ich das einen Sommer lang aushalte, weiß ich net. Schafskopf kenne ich, hab ich aber noch nicht gespielt, ich kann Doppelkopf spielen." Sie verdrehte erneut die Augen und tat sich schon ein wenig leid, den ganzen Sommer solches Gelaber anhören zu müssen.
"Ich muss mir irgendwas einfallen lassen, um das hier zu überleben. Und willst du mitziehen, oder lässt du dich langweilen, von den anderen. Aber du bist nicht so für Risiko, oder?" Sie grinste ihn herausfordernd an. "Aber ich weiß nicht, ob du mit mir mithalten kannst." Sie legte den Kopf schief und lächelte. Mit ihm an der Seite, konnte der Sommer vielleicht doch noch ganz spaßig sein, aber sie war sich nicht sicher, ob er wirklich mitmachen würde.

Józefin
"Ja, es wäre besser, aber jetzt ist es ja schon zu spät.", sagte Józefin, "Meine Reaktion war wirklich blöd, das muss ich ehrlich gestehen." Sie guckte genervt, als sie von den 'Vinniefans' sprach. "Mein Beileid.", sagte er grinsend.
"Ich würde vielleicht irgendwohin gehen und die Sprache richtig praktizieren. Die Stadt ist ja in der Nähe." Normalerweise hätte er etwas dieser Art nicht vorgeschlagen. Es gab aber zwei gute Gründe, es doch zu tun. Einmal war das Camp eine Verschwendung der Zeit, seiner Meinung nach. Außerdem hatte er jemanden zur Gesellschaft, der ja praktisch ein Gegenteil seiner Seele war. Wenn Sonya nur zustimmt.
Er guckte zu, wie eine blonde, sehr große Frau ein Platz zum Sprechen nahm.
"So... Ich begrüße euch im diesjährigen Camp recht herzlich! Ich heiße Frau Reuth." Sie erklärte weiterhin, dass am nächsten Morgen alle ein Test zur Ermittlung der Lerngruppe ablegen mussten. Sie sagte, dass zwei Ausflüge geplant waren. Ihre Rede dauerte lange und die Schüler passten immer weniger auf. Danach sagte Józefin zu Sonya:
"Wenn du willst, kannst du mit den Jungs aus meinem Wohnplatz spielen. Ich hatte Glück, dass ich nicht mit Vinnie schlafen muss."

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#2

RE: Erholung und Lernen - Ob beide funktionieren werden?

in Vor dem Virus... 07.09.2011 12:25
von Sonya • Besucher | 178 Beiträge

Sie grinste erfreut, vielleicht hatte sie Jó doch falsch eingeschätzt. „Das ist ja eine großartige Idee. Aber ich hätte nicht gedacht, dass du dabei mitmachen würdest. Wollen wir zwischendurch zusammen lernen, ich wette das bringt uns mehr, als wenn wir hier rumhängen und mit den anderen zu arbeiten. Ist dir aufgefallen, dass die anderen schon Französisch haben, aber sie brauchen wohl Nachhilfe.“ Sie wurde für eine Weile still, als die Frau anfing zu reden. Während um sie herum wieder das Gemurmel einsetzte, wurde Sonya immer ruhiger. Sie konnte sich nicht wirklich vorstellen, wie sie morgen anständig verteilt werden sollten. Und sie würde am liebsten sofort wieder abreisen, wenn sie daran dachte in die Gruppe der Vollidioten zu geraten, nur weil auch die Campleitung nicht wirklich fähig war. „Oh mein Gott hast du das mitbekommen, ist das hier wirklich nen Sprachcamp? Die scheinen hier alle merkwürdig zu sein, ich meine wieso sind wir hier in Frankreich, wenn wir nur zweimal unter Leute kommen? Ich bin nicht wirklich sicher, ob ich morgen in eine vernünftige Gruppe komme. Du hattest doch auch vorher noch kein Französisch, oder?“ Flüsterte sie leise und aufgeregt. Als die Frau endlich fertig war verdrehte Sonya Augen und versuchte zu verdrängen, was sie eben gehört hatte.
Doch als sie sich wieder Józefin zuwandte lächelte sie schon wieder. [color=#004080]„Ich hoffe ich habe auch das Glück, nicht mit Vinnie schlafen zu müssen.“ Sie lachte leise. „Aber ich komme gerne mit, wenn es niemanden stört. Vielleicht kann ich ja zuerst bei dir zusehen, damit ich das Spiel lernen kann? Willst du sofort los, oder wollen wir uns vorher noch zusammen das Camp ansehen?" Sie erhob sich und brachte schnell ihr Tablett fort und wartete dann auf Jó.

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#3

RE: Erholung und Lernen - Ob beide funktionieren werden?

in Vor dem Virus... 29.09.2011 17:05
von Józefin • Besucher | 94 Beiträge

"Natürlich. Wir sind in einem Camp für diejenigen gelandet, die nicht gelernt haben.", lachte er.
Er hörte ihr weiterhin zu. Auf ihre direkte Frage gab er die Antwort: "Na, ich hatte schon ein Jahr Französisch in der Schule. Ich bin da mal gespannt, in welche Gruppe ich gehe."
Sie schien ihm bedrückt, aber beim Umdrehen in seine Richtung lächelte sie wieder. "Natürlich darfst du das.", sagte er mit ähnlichem Gesichtsausdruck. Er aß zu Ende und brachte sein Tablett auf den 'richtigen' Platz. "Nun los, ich muss mir das Gelände angucken, damit ich in der Nacht nicht reinfalle." Er ging heraus.

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#4

RE: Erholung und Lernen - Ob beide funktionieren werden?

in Vor dem Virus... 02.10.2011 23:30
von Sonya • Besucher | 178 Beiträge

Sie folgte ihm neugierig und sah sich im Lager um. Es war weder groß noch besonder luxuriös eingerichtet. Immerhin gab es ein Waschhaus und daran angeschlossen auch Toiletten, doch waren es leider die in Frankreich üblichen einfachen Löcher. Zwar mit Wasserspülung aber selbst auf dem Damenklos gab es nur eine richtige Schüssel, alle anderen waren Standtoiletten. Eigentlich praktische Dinger, solang es keine Verstopfung gab, dann konnte man schnell bis zu den Knöcheln im Wasser stehen. Sie war recht froh darüber, dem Vinnie-Fanclub für den Abend zu entkommen und Kartenspielen war meist ein großer Spaß. Der Rest des Lagers interessierte sie in der Dämmerung weit weniger und so ging sie einfach neben Józefin her. "Ich hoffe ich werde wenigstens schön braun, wenn ich hier in `Camp Hirnlos´ rumhänge." Bisher konnte sie dem Urlaub wenig positives abgewinnen. Naja immerhin war sie nicht allein, auch wenn ihr Begleiter zu ihr sicher nur ebenso höflich war, wie zu dem anderen Mädchen.

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#5

RE: Erholung und Lernen - Ob beide funktionieren werden?

in Vor dem Virus... 24.10.2011 18:42
von Józefin • Besucher | 94 Beiträge

Sie ging neben ihm in der Dämmerung. Sie sprach wieder ein Spruch aus, das Józefin lächeln ließ. "Ich hoffe, ich werde nicht rot.", antwortete er. "Wie geht's eigentlich im Zoo?"
Als sie weitergingen, sagte ihr Begleiter: "Wir sollten schon langsam zurückgehen, wenn wir noch Karten spielen möchten, meinst du nicht?" Es fühlte sich auf irgendeine Weise gut an, mit ihr zu sein, einfach zu gehen und zu sprechen. Es war so befreiend. Befreiend von allem Kummer und allen Sorgen des täglichen Lebens. Er beschloss, mehr zu spazieren als sonst.

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#6

RE: Erholung und Lernen - Ob beide funktionieren werden?

in Vor dem Virus... 25.10.2011 20:56
von Sonya • Besucher | 178 Beiträge

Sonya sah ihn ernst an. "Hast du etwa keine Sonnencreme dabei? Echt typisch Kerl. Ich kann dir was von meiner abgeben. Leer bekommt so nen Zeug normalerweise ja eh nicht. Ich hab bisher jedenfalls alte immer weggeworfen. Och im Zoo läuft es gut, ich habe beschlossen, dass ich später Tierärztin werden will. Aber erst mache ich die Prüfung zur Pflegerin. Der Direktor hat es so gedreht, dass mein Praktikum gleichzeitig Ausbildung sein kann. So muss ich nur in einem Jahr die Prüfung schaffen und hab schon ne Berufsausbildung. Und damit bekomme ich bevorzugt einen Studienplatz. Ich hoffe nur das klappt alles so, wie ich es mir vorstelle." Sie gingen weiter und Sonya nickte. "Dann lass uns los, oder willst du lieber weiter durch die Nacht laufen?" Sie grinste und schlug den Weg zurück zu der Hütte ein. Dabei dachte sie, dass es vielleicht ja doch noch ein ganz netter Aufenthalt werden konnte und wie sehr man sich doch in anderen Personen täuschen konnte, wenn man nur nach dem ersten Eindruck ging.

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